vom 17. – 19. November 2017 in Aschau im Chiemgau

 

Liebe Hundefreunde,

in diesem Jahr veranstalten wir zum 16. Mal das Internationale Hundesymposium, zu dem wir Sie herzlich einladen. Zahlreiche Experten aus dem In- und Ausland tragen wieder interessante Themen rund um den Hund vor und wir haben uns wie immer bemüht, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, das für jeden interessant ist, der mit Hunden lebt und/ oder arbeitet.

Aus einer frühen Partnerschaft von Wolf und Mensch vor etwa 35000 Jahren entstanden die ersten Hunde. Unterschiedliche Hundetypen gingen aber erst aus einer zweiten Domestikationswelle vor etwa 15000 Jahren in Südostasien hervor. Warum gerade Wolf und Mensch eine derart enge und dauerhafte Verbindung eingingen, mag spirituelle Gründe gehabt haben und vielleicht hat man zusammen Mammute gejagt. Sicherlich aber passte man von Anfang an mental perfekt zusammen, denn wir sind innerhalb unserer Klans "Kooperationstiere", aber recht skeptisch gegenüber Fremden. Mit sozialisierten Wölfen kann man hervorragend zusammenarbeiten, und zwar als Partner auf Augenhöhe, wie Kurt Kotrschal, Österreich am Wolf Science Center täglich erlebt. Die Kooperationsbereitschaft der Hunde mit uns ist altes Wolfserbe, aber wie so vieles andere hat sich durch Anpassung an uns auch die Art der Hunde, mit uns zu kooperieren, verändert. Neueste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass Hunde nicht wirklich die "netteren" Wölfe sind. Sie denken in steileren Hierarchien, sind untereinander weniger tolerant und sind eher bereit als Wölfe, Autoritäten anzuerkennen. Und sie benötigen zum Problemlösen mehr menschliche soziale Unterstützung. Sind Wölfe bereits unser soziales „Alter Ego“, so wurden Hunde durch ihre genetischen Anpassungen in der Domestikation sozusagen zu sozialen Hybridwesen, mental viel näher am Menschen als alle anderen Tiere neben uns.

Ein langfristiges Ziel der JVA Freiburg ist es, die Insassen auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten. Ansätze hierzu gibt es viele. Einer davon wird von Thomas Bierer, Deutschland betreut. Einmal in der Woche macht er sich zusammen mit anderen Mensch-Hund-Teams auf in das Freiburger Gefängnis. Bereits seit über eineinhalb Jahren kann er die Entwicklung der Insassen im Allgemeinen und natürlich in Bezug auf die Hunde im Besonderen beobachten und wird uns spannende Einblicke in dieses in Deutschland einzigartige Projekt geben.

Aggressionen von Hunden und Menschen haben etwas gemeinsam – sie entstehen im Gehirn. Der grundlegende Aufbau und die Funktion des Gehirns von Hund und Mensch unterscheiden sich artübergreifend nicht. Vor diesem Hintergrund lädt uns Robert Mehl, Deutschland dazu ein, über den Tellerrand hinauszuschauen in eine Disziplin, die viele gesicherte Erkenntnisse zum Thema Aggression anzubieten hat: die Neurowissenschaft. Der Vortrag beginnt mit einer kurzen Einführung ins Hundehirn, nach der auch Laien die wichtigsten Strukturen unterscheiden und sich zurechtfinden können. Anschließend definiert Robert Mehl den Begriff der „Aggression“ aus psychologischer Sicht und zeigt ein in den Neurowissenschaften verwendetes Modell der Aggression. Er beschäftigt sich mit den Prozessen im (Hunde-)Gehirn bei verschiedenen Formen der Aggression und verlässt dabei das Gebiet der gesunden Aggression für einen kurzen Ausflug ins Reich der Störungen im Aggressionsbereich. Abschließend wirft er mithilfe des Modells einen Blick auf die Möglichkeiten des Menschen, das Aggressionsverhalten eines Hundes zu beeinflussen.

Fotolia 115221079 XSDr. Cindy Engel, England bietet einen Überblick über die Eigenmedikamentation von Wildtieren. Sie beschreibt faszinierende Strategien, mit denen wilde Caniden eine Art „Gesundheitsfürsorge“ betreiben und zeigt Möglichkeiten auf, wie wir das, was wir über die Strategien in der Wildnis wissen, auf das Wohlergehen unsere Haushunde übertragen können.

Oft übersehen wir, dass Schlaf auch ein Verhalten ist – Amber Batson, England zeigt uns, dass er lebensnotwendig ist, denn totaler Schlafentzug kann in nur wenigen Tagen zum Tode führen. Wie schlafen Hunde? Welche Schlaftypen gibt es und warum gibt es unterschiedliche Typen? Wie beeinflusst der Schlaf Gesundheit und Training des Hundes? Wie sollte die Umgebung des Hundes aussehen, damit der Schlaf auch die Qualität hat, die nötig ist, damit der Hund den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen kann? Dieser Vortrag beschäftigt sich ausführlich mit all diesen Fragen und erörtert, warum die Frage, wie ein Hund schläft, als eine der ersten bedacht werden sollte, wenn es um Trainings- oder Verhaltensprobleme geht.

In ihrem zweiten Vortrag beschäftigt sich Amber Batson mit den Ursachen von Schmerzen bei Hunden und wie sie besser von Haltern und Trainern erkannt werden können. Schmerz ist eine individuelle Erfahrung – das gleiche medizinische Problem wird bei zwei verschiedenen Hunden oft zu unterschiedlich starken Schmerzen führen. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren die Art und Weise beeinflussen, wie ein Individuum Schmerz empfindet und wie Schmerz häufig zu Verhaltensproblemen beiträgt. Schließlich wird ausgeführt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gegen Schmerzen bei Hunden gibt, einschließlich der Möglichkeiten jenseits der Schulmedizin, wie zum Beispiel die Ernährung und das Umfeld des Hundes.

Häufig bekommen Hundehalter den Rat, ihren Rüden probehalber per Chip kastrieren zu lassen. Das kann gerade bei aggressiven Hunden fatale Folgen haben! Dr. Michael Lehner, Deutschland, leitender Tierarzt der Tierklinik Teisendorf, Member of Royal College of Veterinary Surgeons, Certificate for Small Animal Orthopaedics, spricht über die Gefahren der chemischen Kastration per Microchip und klärt darüber auf, warum er nicht so sorglos eingesetzt werden sollte, wie dies leider oft der Fall ist.

Während seiner Tätigkeit im Tierschutz bereiste Stefan Kirchhoff, Deutschland Länder wie Ungarn, Spanien, Rumänien und Italien. Seine dadurch gesammelten Erfahrungen über Straßenhunde vervollständigte er, indem er drei Monate lang durch acht Länder Europas reiste und das Leben von Straßenhunden fotografisch dokumentierte. Der Auslandstierschutz ist in Deutschland stark vertreten, aber objektive Informationen über das tatsächliche Leben auf der Straße gibt es kaum. Stefan Kirchhoff möchte mit seiner Dokumentation darüber aufklären, wie die Situation vor Ort tatsächlich ist. Ist wirklich alles so schlimm, wie die Tierschützer immer behaupten? Oder leben die Hunde alle in Rudeln und sind zufrieden? Müssen die Hunde jeden Tag ums Überleben kämpfen? Wie ist die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber den Hunden? Wie sind sie sozial organisiert? Was tun sie den ganzen Tag? Welche Haltungsformen gibt es in den jeweiligen Ländern? All diese Fragen und viele mehr werden anhand vieler beeindruckender Bilder geklärt. Innerhalb dieses Projektes wird bewusst auf die typisch grausamen Bilder verzichtet, die wir aus dem Tierschutz kennen.

Hunde und Halsbänder, das gab´s schon immer! Aber ist dieses Equipment auch gut für unsere Hunde? Els Vidts, Belgien diskutiert die Vor- und Nachteile von Halsband und Brustgeschirr – denn schließlich hat unsere Entscheidung einen großen Einfluss auf die Gesundheit und das Körpergefühl unserer Hunde. Sie wird sich mit dem Einfluss des Halsbandes auf die einzelnen Organe beschäftigen, noch einmal genau erklären, was beim Tragen/ Anpassen des Brustgeschirres wichtig ist und wie man dabei optimal die Anatomie des Hundes berücksichtigt.

TumorerkrankungTumorerkrankungen beim Hund gehören mit zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der Tierarztpraxis. Dank der modernen Tiermedizin lassen sich viele Krebsarten erfolgreich behandeln. Die Möglichkeiten reichen von komplexen Multimodalitätstherapien wie Chemotherapie, Bestrahlung und Chirurgie bis hin zu einer palliativen Therapie. Im Vordergrund steht dabei immer die gute Lebensqualität des Hundes. Das optimale Vorgehen sollte immer in enger Absprache zwischen Tierarzt und Halter erfolgen. Der Vortrag von Julia Gedon, Deutschland soll einen Einblick in die Möglichkeiten und auch Limitierungen der onkologischen Therapie geben.

Wenn Sie am Symposium teilnehmen möchten, schicken Sie bitte das ausgefüllte Anmeldeformular an uns zurück. Nach Eingang erhalten Sie umgehend eine Buchungs-bestätigung und eine Wegbeschreibung zur Festhalle in Aschau. Wir würden uns freuen, Sie im November bei diesem spannenden Programm dabei zu haben!

Mit hunde-freundlichen Grüßen
Clarissa v. Reinhardt + Team

Wichtig: Wir erwarten eine hohe Anzahl von Besuchern und möchten Sie deshalb dringend bitten (gerade im Sinne Ihres Hundes/ Ihrer Hunde!), diese wenn irgend möglich zu Hause zu lassen. Auf Grund des zwangsläufig beschränkten Platzangebots ist das Mitbringen eines Hundes zwar in Ausnahmefällen möglich, bedarf aus organisatorischen Gründen aber der Absprache mit uns.

Zum Programm des Symposiums: hier
Zur Anmeldung für das Symposium: hier


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